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Losung

für den 12.07.2020

Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.

Daniel 9,7

Gemeinsam gegen Missbrauch

Kein Kind alleine lassen − insbesondere in Zeiten von Corona

Wir möchten in diesen Zeiten insbesondere auf den Schutz von Kindern vor häuslicher Gewalt sowie Missbrauch aufmerksam machen. Eltern befinden sich durch Home-Office oder Kurzarbeit momentan länger gemeinsam mit ihren Familien zu Hause als sonst. Nicht nur Kitas und Schulen, auch sämtliche Freizeiteinrichtungen wie Sportvereine etc. sind geschlossen, persönlicher Kontakt zu Freund*innen und Familienmitgliedern fehlt weitestgehend.

Orte, an denen Missbrauch häufig aufgedeckt und entsprechende Schritte eingeleitet werden, sind unzugänglich. Die derzeitige Situation bietet also den Opfern von Missbrauch und sexuellen Übergriffen schlechte Aussichten auf Hilfe und schafft zusätzlich durch das konstante Zusammensein Konfliktherde. Die Initiative Kein Kind alleine lassen des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs knüpft hier an und bietet Möglichkeiten, schnell Hilfe zu finden. Wir möchten hiermit nicht nur die potentiellen Opfer von häuslicher Gewalt ansprechen, sondern auch Erwachsene aufrufen, verstärkt aufmerksam zu sein und aktiv zu werden!

Für Kinder und Jugendliche in Not

Auf der Homepage www.kein-kind-alleine-lassen.de gibt es für dich die Möglichkeit, eine E-Mail zu schreiben oder das Anliegen im Chat zu erzählen. Niemand darf dir Gewalt antun, dich schlagen, dich mit Worten fertig machen, dich anfassen, wo du es nicht willst. Aber trotzdem kann das in der eigenen Familie passieren. Gerade jetzt, wo alle zuhause sein sollen, wo viele Eltern und Geschwister gestresst sind.

Wenn es dir so ergeht oder wenn du in Gefahr bist, kannst du:
Darüber reden. Mit deinen Freundinnen und Freunden über Social Media, denn reden hilft.
Die Nummer gegen Kummer (116 111) anrufen oder das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch (0800 22 55 530). Dort hört man dir zu und kann dich beraten, wie du mit der Situation am besten umgehen kannst.
Und wenn du es nicht mehr aushältst: Lauf aus dem Haus, bitte jemanden um Hilfe oder geh zur Polizei. Das ist auch in der Coronakrise erlaubt. Das ist ein Notfall!

Mach dir klar:
Niemand hat das Recht, Kinder zu schlagen oder absichtlich Schmerzen zuzufügen, sie zu beleidigen oder zu missbrauchen. Kinder haben ein Recht darauf, in ihren Familien gewaltfrei aufzuwachsen. Wer Gewalt ausübt, ist im Unrecht. Du trägst keine Schuld daran. Das hast du nicht verdient – auch wenn du vielleicht nicht immer die perfekte Tochter oder der perfekte Sohn bist.
Wenn Eltern mit ihren Kindern überfordert sind, ist es ihre Aufgabe, sich Beratung und Hilfe zu holen. Sie dürfen ihre Überforderung und ihre Wut nicht an den Kindern auslassen. Es gibt Elternberatungsstellen und viele Telefonangebote.
Wenn du deinen Vater, deine Mutter oder wer auch immer dir Gewalt antut, trotzdem lieb hast, ist das normal. Wenn du sie dafür hasst, ist es aber auch in Ordnung. Irgendwann ist die Corona-Krise vorbei und dann kannst du mit einer Vertrauensperson über alles reden. Denk schon jetzt darüber nach, wer das sein könnte und was du erzählen willst. Das ist übrigens kein Petzen! Das ist dein Recht.

Du bist nicht alleine
Du bist nicht alleine mit deinem Problem und es liegt auch nicht an dir. Im Moment leiden viele Kinder und Jugendliche unter Gewalt, Einsamkeit und Verzweiflung. Du kannst dir selbst versprechen, dass du später, falls du eigene Kinder hast, ihnen keine Gewalt antun wirst. Das tut gut!

Für Erwachsene

Diese Tipps und Strategien könnten helfen, wenn Sie sich Sorgen um ein Kind und seine Familie machen:

Aufmerksam sein
Verschließen Sie Augen und Ohren nicht, sprechen Sie mit anderen Nachbar*innen oder Menschen, die mit dem Kind, um das Sie sich Sorgen machen, zu tun haben.

Bleiben Sie ruhig
Denken Sie zuallererst an das Kind und machen Sie Ihrem Ärger nicht ungebremst Luft. Sprechen Sie die Person, von der Sie denken, dass sie einem Kind (sexuelle) Gewalt antut, nicht auf den Verdacht an. Das kann zu einer Eskalation zulasten des Kindes führen. Das Kind muss geschützt sein, bevor eine verdächtigte Person davon erfährt. Sonst besteht das hohe Risiko, dass er oder sie das Kind unter Druck setzt und damit verhindert, dass es mit jemandem spricht. Das gilt leider auch für Menschen aus der eigenen Familie.

Lassen Sie sich beraten
Wenn Sie sich unsicher sind, rufen Sie unsere oder eine andere Beratungsstelle in Ihrer Nähe an und lassen sich beraten, was Sie tun sollen - kostenfrei und auf Wunsch anonym.

Jugendamt und Polizei
Nehmen Sie Kontakt zum örtlichen Jugendamt auf, wenn Sie befürchten, dass ein Kind akut Opfer von (sexueller) Gewalt wird. Die Jugendämter sind auch in der aktuellen Situation erreichbar.
Rufen Sie die Polizei, wenn Sie glauben, dass Leib und Leben eines Kindes in Gefahr sind.

Versuchen Sie Streit zu unterbrechen
Wenn Sie als Nachbar*in einen Streit nebenan mitbekommen oder Lärm hören, der nach Gewalt klingt, könnten Sie versuchen, den Streit zu unterbrechen. Aber gefährden Sie sich nicht selbst, indem Sie zu schlichten versuchen. Klingeln Sie an der Tür und bitten Sie beispielsweise um etwas Salz oder zwei Eier. Häufig reicht das schon. So wird klar, dass jemand die Situation bemerkt, dass noch soziale Kontrolle da ist.

Halten Sie Kontakt
Wenn Sie von Freund*innen oder Bekannten wissen, dass es familiäre Probleme gibt, könnten Sie versuchen, den Kontakt zu halten, telefonisch, um rauszuhören, wie die Situation ist.

Quelle: www.kein-kind-alleine-lassen.de

 

14.04.2020



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