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Losung

für den 19.09.2019

Der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten.

2.Mose 13,21

Aufsätze / Artikel

Patchwork-Familien

„Kinder sind wie Seismografen, sie spüren jede Erschütterung.“ Gerade an Weihnachten, dem klassischen Familienfest, stehen Kinder in Patchwork-Familien und ihre Eltern vor besonderen Herausforderungen, sagt Diplom-Psychologe Thomas Dobbek. Das Fest berührt viele, löst aber auch Traurigkeit und Wut aus, weil die Erinnerungen hochkommen. „Du hast mir gar nichts zu sagen!“, brüllt Marie (9) dann ihren Stiefvater an. Und der 14-jährige Tom weigert sich strikt, seinen leiblichen Vater über die Feiertage zu besuchen. Ein Problem, das immer mehr Menschen betrifft. In Großstädten wie Bonn wird jede zweite Ehe geschieden, auf dem Land jede dritte. Auch Kinder schützen davor nicht. „Man probiert nur länger herum“, so der Leiter der Evangelischen Beratungsstelle in Bonn.

Neben den Kindern sind es aber auch die Eltern selbst betroffen. Viele neigen dazu, sich wieder zu verbinden, die Patchwork-Familie entsteht. Doch die frühere Trennung ist manchmal noch nicht verarbeitet, die Wut auf den Ex mit der neuen Partnerin groß, finanzielle Fragen ungeklärt. „Weihnachten oder der Geburtstag des Kindes werden dann gerne genutzt, um in einen Machtkampf zu gehen“, weiß Tomas Dobbek. Er bezeichnet Trennung als „emotionalen Verdauungsprozess, der verheilt und verarbeitet werden muss“.

Ganz wichtig ist dabei, die Kinder nicht zu schädigen. Die Erwachsenen müssen sich untereinander einigen, so eine grundlegende Regel für Patchwork-Eltern. Welche Erziehungsvorstellungen galten bisher, welche passen zusammen? Wie wollen wir in Zukunft damit umgehen? „Das funktioniert nicht einfach so, sondern ist ganz schön viel Arbeit.“ Und überfrachtet die neue Familie. Psychologe Thomas Dobbek rät dazu, Erwartungen runter zu schrauben, Konflikte anzugehen und aus Fehlern zu lernen. „Ein lohnenswertes und zugleich anstrengendes Projekt.“ Wenn Kinder weinen und mit der Situation überfordert sind, brauchen sie Zeit. „Das ist oft auch ein innerer Loyalitätskonflikt für sie.“ Eltern sollten dann zurück stecken, auch mal „Boxsack“ sein, der etwas aushält.

Langfristiges Ziel für Patchwork-Familien solle jedoch sein, dass die Kinder auch Entscheidungen des Stiefvaters oder der –mutter annehmen. Kleineren Kindern helfe dabei häufig das Stichwort Gerechtigkeit. Wenn der neue Papa Marie am Nachmittag das Fahrradfahren beigebracht hat, dann sei nur „gerecht“, wenn er sie jetzt auch ins Bett bringt, erläutert Thomas Dobbek. Im Fall vom Tom sei zu klären, warum er am Feiertag nicht zum Vater will. Je älter ein Kind werde, desto legitimer seien eigene Entscheidungen. Aber die Gründe sollen am besten im Vorfeld besprochen werden. „Auch die leiblichen Eltern müssen sich zusammen setzten und reden.“

 

10.12.2010



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